Ein Bericht von Rosetta Yili Qiu
Ende Oktober 2025 besuchte eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern unter anderem vom Landheim Ammersee gemeinsam mit Frau Rath-Arnold, Frau Dagmar Bangert und Frau Nicole Lünsdorf die St.
Joseph School in Nairobi. Was als Schulbesuch begann, wurde schnell zu einer Begegnung auf Augenhöhe: In gemeinsamen Projekten, beim Lernen, Spielen und Lachen entstand eine Nähe, die niemand
erwartet hatte. Die Zeit in Kayole hinterließ tiefe Eindrücke – und das Gefühl, dass diese Reise weit mehr war als nur ein Blick in eine andere Welt.
Wer in Deutschland aufgewachsen und gebildet ist, kann sich aus der Ferne kaum vorstellen, was die St. Joseph Schule für die Kinder in Kenia bedeutet. Sie ist ein kleines Paradies im
unterversorgten Viertel Kayole, mitten in der dichtbewohnten Hauptstadt Nairobi, in einem Land, das mit vielen Herausforderungen ringt. Hinter dem schützenden Zaun liegt ein Ort, an dem die
Kinder für einige Stunden dem Elend entkommen können, aus dem sie kommen – ein sicherer Hafen für ihre zarten, neugierigen Seelen und für den leisen Wunsch, durch Bildung eines Tages eine
freundlichere Welt entdecken zu dürfen.
Schuldirektor George begrüßt jedes Kind mit seinem herzlichen, fast schon berühmten „Hello!“. Die Schülerinnen und Schüler – sieben Altersklassen, alle in ihren ordentlich getragenen
Schuluniformen – antworten scheu, aber strahlend. Auf sie wartet ein neuer Schultag, und ihre glänzenden Augen verraten, wie sehr sie sich darauf freuen.
Die Klassenzimmer, mit Wellblech gedeckt, füllen sich schnell mit Stimmen und Lachen. Wenn Regen auf das Dach prasselt, wird es laut, beinahe überwältigend – doch die Kinder bleiben konzentriert.
Fünf oder sechs von ihnen sitzen eng aneinander auf einer Bank, vor sich kleine Hefte und viel genutzte englischsprachige Bücher. An den Wänden hängen selbstgestaltete Plakate: bunte Lernhilfen
aus allen Fächern, sauber geschrieben und liebevoll angebracht. Die jungen Lehrerinnen unterrichten mit warmen Blicken und geduldigen Worten, und die Kinder hören mit ernsthafter Hingabe zu – ob
in Mathematik, Kunst, Environmental Activities oder Agriculture.
Besonders wertvoll ist jedoch nicht nur das Lernen, sondern auch das warme Mittagessen. Während vegetarische Ernährung in Deutschland oft eine Entscheidung aus Überzeugung ist, bleibt Fleisch in
Kenia für viele Familien schlicht unerschwinglich. Für die meisten Kinder ist das Essen in der Schule die einzige sichere Mahlzeit des Tages. Sie schützt vor Hunger, gibt Kraft – und schenkt ein
Stück Normalität in einem Alltag, der für ihre Eltern auf dem nahegelegenen Müllberg beginnt, wo sie in der Hitze für einen kaum ausreichenden Lohn arbeiten.
St. Joseph The Worker School ist für die Kinder weit mehr als ein Gebäude: Sie ist ein Ort, an dem sie Wärme, Ermutigung und einen Hauch Zukunft spüren. Jeder Beitrag aus Deutschland hilft,
diesen geschützten Raum zu bewahren – einen Ort, an dem ein freundliches „Hello!“, ein voller Teller und ein liebevoll erklärtes Schulbuch den Tag heller werden lassen. Wer die Schule
unterstützt, schenkt nicht nur Bildung oder Nahrung, sondern Hoffnung – eine stille, kraftvolle Hoffnung, die Kinderherzen wachsen lässt. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass dieses kleine
Licht in Kayole weiterleuchtet und noch viele junge Leben berührt.
Die folgende Bildergalerie zeigt Impression zu unserem Besuch in der St. Joseph School.
An der Round Square International Conference in Kenia vom 08.-14. Oktober 2023, an der Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Welt zusammenkamen, nahm auch eine Schüler:innendelegation vom Landheim Ammersee teil. Sehr berührt berichteten die Schülerinnen und Schüler aus dem Landheim nach ihrer Rückkehr aus Afrika von ihren Erlebnissen: Die krassen Gegensätze von arm und reich beim Gastfamilientag hatten bei ihnen einen bleibenden Eindruck hinterlassen, wie sie sagten. Der Tag, der allen am besten gefiel und sie alle am meisten bereichert hatte, war der Tag des „Dienstes“. An diesem Tag besuchte die Landheim-Gruppe die St. Joseph School, über die das Landheim immer wieder mal berichtet. Die Schülerinnen und Schüler beschrieben sehr eindrücklich, wie der Tag auf sie gewirkt hat. Angetreten waren sie, um tatkräftig mitzuhelfen: Sie haben die einheimischen Arbeitenden dabei unterstützt, einen Betonboden in der Schule herauszureißen und neu zu gießen, haben Wände angestrichen und Bäume gepflanzt. Sie haben vor allem aber auch die Kinder in der St.-Joseph-School erlebt, einer Oase inmitten von Slums, die sich riesig über die Gruppe aus Deutschland und deren Aufmerksamkeit gefreut hat, die mit ihnen Fußball gespielt und das Mittagessen ausgegeben hat (siehe Fotos und Videos). Alle, die vor Ort waren, waren sehr berührt (siehe Erfahrungsberichte unten).
November 2023
Erfahrungsberichte von Teilnehmenden der Delegation vom Landheim Ammersee
„Lernen ist unsere einzige Chance, die Lehrkraft das Licht!“
(Schülerin der St. Joseph School)
Es ist Samstag, eigentlich ein freier Tag, alle SchülerInnen und Lehrkräfte der St. Joseph Worker School sind trotzdem in der Schule. Es besucht sie eine Delegation von 6 SchülerInnen und 3 Lehrkräften des Landheim Ammersees. Die Kinder der St Joseph School freuen sich hier sein zu dürfen, auch an einem Samstag. Sie melden sich eifrig, schreiben ordentlich in ihre Hefte, strahlen über ihre kleinen Gesichter. Beim Mittagessen langen sie ordentlich zu – wir wundern uns, wie viel Essen in so kleine Bäuche passt, es ist aber wahrscheinlich ihre einzige warme Mahlzeit am Tag. Wir sind in einer Oase der Ruhe und des Glücks mitten in der Hoffnungslosigkeit des Kayole Slums von Nairobi.
„Wir stehen mitten im Slum, umgeben von erbärmlichem Gestank und unterhalten uns mit einer Mutter eines Schulkindes, welche in den riesigen Haufen Müll irgendwelche Essensreste sucht, um einen großen Beutel voll damit für ein paar Cent zu verkaufen. Rings um uns gehen viele Leute dieser Arbeit nach – umzingelt von riesigen angsteinflößenden Marabus. Mittendrin spielen Kinder mit Gegenständen, die sie aus dem Müll gezogen haben.“
Valentin Stattmann - Schüler der 10. Klasse des Landheim Ammersees, Mitarbeiter der Schülerfirma des Landheims, die die St. Joseph School finanziell unterstützt.
„Ich dachte, ich hätte den Slum erlebt, als wir die St. Joseph School betreten haben. Jetzt, wo wir weiter Richtung Fluss laufen, sehe ich, wie der echte Slum aussieht. Der Müll türmt sich zunehmend, die Häuser werden zu einfachsten Baracken und der Gestank wird so unangenehm und so intensiv, dass ich ihn vermutlich nie wieder aus der Nase bekommen werde. Und mitten in dieser dystopischen Alptraum-Landschaft schlendern die zwei Mädchen aus der St. Joseph School Arm in Arm fröhlich lächelnd vor uns durch die staubigen, stinkenden Gassen. Was für mich ein wahr gewordener Alptraum ist, ist für sie ganz normaler Alltag.“
Michael Wendel – Lehrer Landheim Ammersee
„Wir fahren durch die Straßen Nairobis. Wir fahren aus der Innenstadt heraus. Dort war es einigermaßen geordnet. Unsere Blicke richten sich auf die Fensterscheiben des Jeeps. Wir kommen in eine Gegend, die kein Ende zu nehmen scheint. Meine Fensterscheibe beschlägt, weil ich mein Gesicht so sehr gegen die Fensterscheibe presse – aus Fassungslosigkeit. Eine riesige Müllhalde türmt sich vor uns auf, in der man kleine Punkte sieht – es sind Menschen. Mein Gehirn sagt mir sofort, dass es nicht real ist - ich realisiere mit der Zeit immer mehr, dass das der Slum ist und dass Menschen wirklich hier leben. Es stinkt. Er kommt von dem Müll, Fäkalien, Fliegen und Essensresten. Ich bekomme Gänsehaut."
Maximilian Stoll – Schüler der 10. Klasse des Landheim Ammersees, CEO der Schülerfirma die die St.Joseph School finanziell unterstützt.
„Was mir vor allem in Erinnerung geblieben ist, ist die Gastfreundlichkeit, mit der wir in der St. Joseph School empfangen worden sind. Die Kinder haben seit Wochen einen Willkommenstanz für uns einstudiert, bei dem sogar die Lehrer mit vollem Elan mitgetanzt haben.“
Lena Stoll – Schülerin der 12. Klasse des Landheim Ammersees
Es ist Pause, „Wir laufen aus dem kleinen Pausenhof der Schule durch die aus dünnem Metall bestehenden Eingangstür hinaus auf den größeren Vorplatz, der jedoch nicht mehr zur Schule gehört. Am Anfang werfen wir einen Ball hin und her, bis einige Kinder anfangen Herrn Wendel nachzuahmen, ob Sprünge, Drehungen oder Hampelmänner, sie lachen und haben Spaß. Xavier und ich beginnen Kinder hochzuheben und die Kinder freuen sich und haben Spaß an den einfachsten Dingen, wodurch wir selbst trotz Anstrengung nur noch Freude empfinden. Alter und Herkunft war einfach nicht mehr wichtig.“
Orlando Hetzler, Schüler der 10. Klasse des Landheim Ammersees
„Wir spielen mit den Kindern aus dem Slum vor der Schule in ihrer Pause und auch andere Kinder aus dem Slum, die nicht die Schule besuchen können, weil sie nur 54 SchülerInnen aufnehmen kann, spielen mit. Obwohl sie aus dem Slum sind, sehen sie fröhlich aus und haben Spaß mit uns. Kinder, die aus einer so anderen Lebenswirklichkeit stammen, nehmen uns mit in ihre Welt und bringen uns dazu, dass wir die furchtbaren Lebensbedingungen um uns herum für einen Moment vergessen.“
Christopher Viering, Schüler der 11. Klasse des Landheim Ammersees
„Mein eindrücklichster Moment war die Pause, in der wir mit den Kindern draußen gespielt haben. Es war schön, die ganzen lächelnden Gesichter der Kinder zu sehen, trotz der Situation, mit der sie jeden Tag zu kämpfen haben.“
Xavier Haas, Schüler der 12. Klasse des Landheim Ammersees
„Nach unserem Gang durch den Kayole-Slum mit seinem Lärm, seinen Gerüchen, seinen Bewohnern, die in menschenunwürdigen Lebensbedingungen wohnen und arbeiten, betreten wir durch eine kleine Blechtüre wieder die St. Joseph Worker School, nahezu eine Oase der Ruhe, des Friedens und des Glücks für 54 Kinder. Es wäre schön, wenn mehr Kinder aus dem Slum hier zur Schule gehen könnten.“
Matthias Bangert, Schulleiter des Landheim Ammersees
"Dieser Besuch hat unsere Sicht auf das Leben verändert. Wir sind so unfassbar privilegiert. Wir sind so unglaublich dankbar für das, was wir haben, und möchten zumindest eine Kleinigkeit wiedergeben. Die Schülerfirma zur Unterstützung der St. Joseph Worker School ist noch mehr zu einer Herzensangelegenheit geworden und wir werden im Rahmen von Round Square jede Gelegenheit nutzen, um für die St.Joseph School Spenden zu sammeln, da diese ausschließlich durch Spenden finanziert wird. Das nächste Event ist die Auction of Promises, bei der SchülerInnen, Angestellte des Landheims und Eltern Güter und Dienstleistungen versteigern und dessen Erlös an die St. Joseph Worker School gehen wird."
Dorothee Schwab, Lehrerin des Landheim Ammersees
Nähere Informationen finden sie hier.